Wie man eine Mary Sue schreibt (Achtung Sarkasmus)

Wir haben alle schon von der mysteriösen Mary Sue gehört. Doch was genau ist das überhaupt?

Eine Mary Sue ist ein Character, meistens der Protagonist, der unfassbar viele Fähigkeiten hat und alles schon auf ersten Anhieb kann. Denkt dran: Es ist sinnvoll, einen besonderen Hauptcharakter zu wählen. Eine graue Maus muss es nicht sein. Man liest gern von der Person, die Gaben hat und damit die Welt rettet. Was man jedoch nicht gern liest, ist ein fast schon lächerliches Ausmaß an Fähigkeiten.

Und weil das absolut erstrebenswert ist: Hier folgt der Guide zum Erreichen der perfekten Mary Sue. Halten Sie sich an diese Punkte und der Leser wird begeistert sein!

Dinge, die Mary Sues in genau diesen Wortlaut irgendwann sagen müssen:

  1. Maaaaann, ich bin so ein hässliches Dreckstück mit meinen langen blonden Locken, grünen Augen, meiner Stupsnase und meiner schlanken Figur. Mimimi!
  2. Ich bin voll unbeliebt, weil ich so anders bin. Nämlich, weil niemand so ist wie ich. Ich bin nämlich voll anders. Ich mache nichts, was andere machen! Deshalb bin ich voll speschiööööl! (Ohne zu spezifizieren, was genau die anderen denn machen.)
  3. Ich gehöre zu einer noch nie dagewesenen Rasse, den extraspeschiölen Extrapower Kriegern! Ich bin wie alle anderen nur besser!

Fahren wir nun mit dem Äußeren der Sue fort. Dringend benötigt werden:

  1. Besondere Augenfarbe, z. B lila, Heterochromie (verschiedenfarbige Augen) oder Augenfarbe die sich ändert. Scheuen Sie nicht, diese auch in jedem zweiten Satz zu erwähnen! Der Charakter ist speziell und muss herausstehen!
  2. Besondere Haare! Entweder hellblonde Engelslocken oder feuerrote Wellen! Rabenschwarz geht auch! Aber auf keinen Fall braun. Braun ist gewöhnlich. Und das darf Mary Sue natürlich nicht sein. Sie muss sich klar vom gemeinen Volk abheben.
  3. Schlanke Figur, aber trotzdem trainiert. Natürlich groß, aber nicht zu groß. Gerade so, dass sie an ein Model herankommen würde.

Die wichtigsten Charakterzüge jeder Sue:

  1. Ähm … Das weiß niemand so genau. Am besten Sie charakterisieren die Sue einfach so schwammig, dass sich jeder mit ihr identifizieren kann. Da kann ja nix schiefgehen, oder?
  2. Stets darauf achten, dass die Sue von anderen beschrieben wird. Natürlich muss keine der Aussagen auf Taten der Mary sue beruhen. Aber Wörter wie mutig, sanftmütig, loyal und impulsiv kommen immer gut an. Dann hat der Leser das Gefühl, Sue hätte trotz Punkt 1 eine Persönlichkeit. Bester Plan!

Äußere Umstände:

  1. Wo die Sue auch ist, jeder kennst sie und schart sich um sie. Das zeigt, wie wichtig sie in der Story ist. Man könnte argumentieren, dass die anderen Charaktere dadurch zu dämlichen Pappaufstellern werden, die nur da sind, um die Sue anzuhimmeln. Völlig richtig und das ist auch gut so! Die Sue verdient tha fame™!
  2. Die Mary Sue ist unfassbar reich! Geldprobleme würden der Story nur den kreativen Fluss nehmen!
  3. Genau wie Eltern! Man muss sie nicht gleich töten, es genügt völlig, sie daheimzulassen und die Sue auf Abenteuer zu schicken. Am besten, die Sue schreibt ihnen, dass sie einen Monat bei einer Freundin übernachten wird und nicht nach Hause kommt. Dass die Eltern das nicht hinterfragen, zeugt von ihrer Kompetenz und ihrer guten Erziehung: Sie lassen ihr Kind allein die Welt erkunden und vertrauen der Sue!

Die anderen Charaktere:

  1. Zu jeder Zeit müssen mindestens vier männliche Wesen in die Sue verliebt sein und sich am besten noch um sie streiten.
  2. Sich zwischen den Typen zu entscheiden, ist völlig unnötig. Die himmeln gern eine Frau an, die noch von drei anderen Seiten besabbert wird und jedem von ihnen Hoffnungen macht.
  3. Kein einziges Gespräch darf ohne die Sue stattfinden, es sei denn, Thema ist die Sue. Worüber sonst sollen die Nebencharaktere schon reden? Ihr Leben dreht sich schließlich um die Sue!
  4. Die Sue muss (fast) einstimmig zum Oberhaupt gewählt werden, schließlich ist sie so wichtig, auch wenn sie die Nebencharaktere noch nicht lange kennt! Die einzige, die dagegenstemmen darf, ist die blonde Zicke™, die ist schließlich böse, weil a) blond b) hübsch c) achtet auf Aussehen. Praktisch der Teufel, wie sie sehen!

Die Pappaufsteller, die überhaupt eine namentliche Erwähnung verdienen, sind folgende:

  1. Die AABBFFFF: Ihre Aufgabe ist das anhimmeln der Sue und das Hinweisen auf deren Schönheit. Die AABBFFFF ist die Sue für Arme. Sie kann alles ein wenig schlechter, sieht schlechter aus (aber hübsch muss sie sein, wo würden wir bloß hingelangen, wenn wir Bücher mit normal aussehenden Leuten lesen würden) und stimmt der Sue in jedem Punkt zu. Ein Leben hat sie nicht. Sie hat immer Zeit und Lust, der Sue zu helfen. Eine Gegenleistung muss nicht erbracht werden.
  2. Der SBF: Der schwule beste Freund. Seine Aufgabe ist die LGBT-Repräsentation. Er erfüllt ein paar klassische Klischees und einmal wird sein Freund erwähnt. Bei Umstylings muss er immer anwesend sein. Das war’s aber auch, sonst steht die Sue nicht im Rampenlicht.
  3. Die bereits erwähnte blonde Zicke: Die Sue hasst sie sofort, verteufelt sie und ist auch gemein zu ihr. Wieso weiß niemand. Aber das macht die Sue sympathischer: Wie auch in der echten Welt mag sie nicht jeden.

Allgemein gilt: Heben Sie die Sue hervor, so gut Sie nur können. Sogar der Plot ist unwichtig, solange sie eine gute Mary Sue erschaffen haben!

 

Hiermit stelle ich den Sarkasmus-Schalter aus. Ich hoffe, ich habe die Geburt der ein oder anderen Sue verhindert. Ansonsten kann ich nur auf die Leseprobe zu Erbin der Zeit: Die Schlacht von Pyrinas verweisen. Schaut doch mal rein!