Wie man gute Charaktere schreibt

Nachdem wir neulich etwas über das Erschaffen Deiner eigenen Romanwelt gelernt haben, wird‘s jetzt konkreter: Die Charaktere. Falls du glaubst, Nebencharaktere weniger gut ausarbeiten zu müssen, als den Protagonisten, liegst Du leider ziemlich falsch. Es ist meistens sogar besser, speziellere Nebencharaktere zu haben. Mit dem Protagonisten soll sich der Leser identifizieren, das heißt, man sollte ihm Eigenschaften geben, die zwar nicht jeder hat, die man aber nachvollziehen kann. Wenn Dein grünhaariger Protagonist Schokolade hasst und jeden Morgen um vier Uhr aufsteht, um zwei Stunden joggen zu gehen … Ich will Dir nichts verbieten, doch das klingt nach einem interessanten Nebencharakter und nicht nach einem Protagonisten.

Ich habe wieder ein paar Fragen an Dich, die Du für jeden Charakter beantworten können solltest, falls dieser einigermaßen wichtig ist.

1. Name, Geburtstag, Wohnort, allgemeine Daten:

Zu Namen muss ich nichts sagen. Bitte, gib den Leuten einen Namen.

Ich muss zugeben, ich nenne nur zwei Geburtstage (Xaenym und Kayth aus Erbin der Zeit 1 bzw. 3), aber ich kenne alle. Warum, wenn ich es doch nie erwähne? Weil reale Personen Geburtstage haben. Der Charakter muss sich für Dich anfühlen wie ein echter Mensch, bevor Du ihn/sie zu Papier bringen willst. In Fantasywelten reicht es, wenn Du die Jahreszeit kennst, da dort meistens ohnehin keine gewöhnlichen Zeitsysteme verwendet werden.

Zum Wohnort: Es geht mehr um das Aussehen des Zuhauses als um die Hausnummer, da diese nichts aussagt. Aber ob XY in einer Villa oder einer Wohnung lebt, spricht Bände über sein/ihr Verhalten. Es ist prima, die Hausnummer zu kennen, doch sie zu erwähnen, bringt dem Leser nichts.

2. Wie sieht der Charakter aus?

Selbsterklärend, schätze ich mal. Wobei man hinzufügen sollte, dass Du nicht jede Sommersprosse beschreiben solltest, vor allem nicht beim ersten Auftritt. Zu Anfang genügen Haar- und Augenfarbe, später kann Genaueres in die Handlung eingearbeitet werden.

3. Welche Herkunft und Kultur hat der Charakter?

Es ist wirklich wichtig, verschiedene Charaktere zu haben. Und dabei gibt es mehr als nur hell- und dunkelhäutige. Asiaten oder Latinos zum Beispiel. Gehe im Kopf Deinen Bekanntenkreis durch. Sicher stammt nicht jeder aus dem selben Land. Versuche, ein realistisches Bild an Verschiedenheit zu schaffen, achte darauf, genau zu recherchieren, und halte dich von Klischees fern. (Zum Beispiel isst man in China mehr Nudeln als Reis, was manche nicht wissen und deshalb ständig reisessende Chinesen schreiben. Kann man leicht vermeiden, Tante Google ist Dein Freund.)

4. Hintergrundgeschichte und Eigenschaften.

Ja, diese Dinge bilden einen einzigen Punkt. Warum? Weil die Vorgeschichte die Eigenschaften einer Person hervorruft. Beispiel: Wer gemobbt wird/ wurde, ist wohl kaum selbstbewusst. Bitte, achte darauf, dass die Eigenschaften aus dieser (und jeder anderen) Sicht Sinn machen. Außerdem kannst du nicht willkürliche Charakterzüge zusammenwürfeln. Mutig, ängstlich, selbstbewusst und schüchtern sind keine guten Kombis. Außerdem gibt es nichtssagende Eigenschaften wie stur und faul, die ich weglassen oder zumindest nicht als Hauptmerkmal anführen würde. Jeder Mensch wird sich selbst als stur und faul bezeichnen, ehrlich. Manche weniger, manche mehr, aber jeder ist stur und faul. Nimm stattdessen Züge, die zur Geschichte deines Charakters passen, das sorgt automatisch für spezielle Eigenschaften. Man wird nicht durch irgendein Ereignis stur ‚gemacht‘ aber man kann gewisse Verhaltensweisen entwickeln. Wer fast ertrunken ist, fühlt sich sicher beim Anblick von Wassermassen unwohl. Wer überfallen wurde, legt viel Wert auf Selbstschutz. Ist das nicht viel greifbarer als der Begriff ‚stur‘? Die Figur braucht aber trotzdem Eigenschaften, die einfach da sind, weil es nun mal zu ihrem Wesen gehört. Diese sollte man aber zeigen und nicht nur schreiben (hust … Show, don‘t tell). Egal wie oft man erwähnt, wie z.B geizig jemand ist, wenn der Charakter nichts Geiziges tut, hat der Leser auch nicht den Eindruck.

5. Charakterentwicklung:

Ich kann es nicht oft genug sagen, Ereignisse verändern Menschen. Und da eine Figur normalerweise im Laufe des Romans etwas erlebt, sollte sie sich auch dementsprechend verändern. Ähnlich wie bei Punkt vier mit den früheren Ereignissen treten neue Eigenschaften durch jetzige Ereignisse auf.

6. Der Sinn der Figur in der Geschichte:

Wenn es keinen gibt, streichst Du die Person. Ganz einfach. Ja, man will XY dabeihaben, weil er/sie so cool ist, aber ohne Bedeutung für das Geschehen wirkt jeder noch so ausgearbeitete Charakter blass.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. Falls Dir noch ein zusätzlicher Punkt einfällt, kannst DU gern ein Kommentar hinterlassen.

3 Gedanken zu „Wie man gute Charaktere schreibt

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